Eine Person testet die im Projekt MEnergie entwickelte Augmented-Reality-Landschaft mit dem Thema Energiewende auf einem Tablet. © Heike Fischer / TH Köln
Eine Person testet die im Projekt MEnergie entwickelte Augmented-Reality-Landschaft mit dem Thema Energiewende auf einem Tablet.

Meine Energiewende
Energiewende verstehen und mitgestalten: Wie innovative Formate Akzeptanz fördern

01.04.2025 | Aktualisiert am: 01.04.2025

Auf einen Blick

  • Ziel der Forschenden im Projekt MEnergie war es, die Akzeptanz und Handlungsbereitschaft für die Energiewende durch neue, insbesondere digitale Kommunikationsformate zu erhöhen, die gemeinsam mit den Menschen entwickelt werden.
  • Zentrale Fragestellungen waren: Was beinhaltet die Energiewende konkret? Inwieweit sind Bürgerinnen und Bürger involviert, um sie umzusetzen? Wie wirkt sich ein nachhaltiges Energiesystem auf den Lebensstil und die sozialen Strukturen aus, wenn sich die Gesellschaft darauf umstellt?
  • In drei aufeinander aufbauenden, partizipativ gestalteten Designzyklen hat das Forschungsteam gemeinsam mit den Akteuren Kommunikationsformate entwickelt. Diese haben die Forschenden in Bildungseinrichtungen, öffentlichen Veranstaltungen und Workshops mit Teilnehmenden erprobt und anschließend an deren Bedürfnisse angepasst.
  • Ergebnis: Indem Informationen vermittelt und Handlungsoptionen aufgezeigt werden, wird eine aktive Beteiligung seitens der Bevölkerung gefördert. Dies trägt dazu bei, die Akzeptanz für die Umstellung auf ein nachhaltiges Energiesystem zu erhöhen.

Neben technischen und wirtschaftlichen Aspekten hängt der Erfolg der Energiewende entscheidend von der gesellschaftlichen Akzeptanz ab. Hierbei spielt für die Bevölkerung zum einen der sichtbare Ausbau der Infrastruktur durch erneuerbare Energien eine wichtige Rolle. Daneben ist bedeutsam, wie konkrete Maßnahmen aussehen und wie sie von Verbraucherinnen und Verbrauchern umgesetzt werden, um Energie effizienter und sparsamer nutzen zu können. Doch Fehlinformationen und Vorurteile beeinflussen den gesellschaftlichen Diskurs erheblich. Das Projekt MEnergie setzt hier an: Mit interaktiven Formaten wie Augmented Reality, Lernspielen und Social Media wird Wissen vermittelt und die Energiewende erlebbar gemacht.

Ein kurzer Klick auf dem Tablet zum Platzieren der Insel, schon verwandelt sich die Realität. Es erscheint eine sonnenbeschienene Insel, die grafisch wie eine Mischung aus Technik-Vision und Computerspiel wirkt. Willkommen auf einer der Augmented-Reality-Themeninseln des Projekts MEnergie.

Hier erleben Nutzerinnen und Nutzer eine grüne Landschaft mit Windkraft-, Photovoltaikanlagen und weiteren erneuerbaren Energietechnologien. Mit einem Blick nach links oder rechts sehen sie interaktive Displays, die in der Luft schweben. Ein Klick darauf und animierte Hintergrundinformationen fliegen ins Bild. Mit einem Fingerzeig schweben die Besuchenden zur nächsten Themeninsel und können sich dort zu weiteren Energiewende-Themen interaktiv informieren: Lernen mit Augmented Reality (AR). Dabei ist jede Themeninsel nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Erlebnis. Die Nutzerinnen und Nutzer interagieren mit virtuellen Objekten und können in ihrem eigenen Tempo die Mechanismen der Energiewende begreifen.

Lernen, erleben, mitgestalten: Neue Wege der Energiewende-Kommunikation

Die Augmented-Reality-Themeninseln sind nur eines von mehreren innovativen Kommunikationsformaten aus dem Projekt MEnergie, in dem die Technische Hochschule Köln, das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und der Unternehmenspartner World of VR GmbH zusammenarbeiten. Insgesamt haben die Projektpartner drei zentrale Kommunikationsformate entwickelt:

  1. Lernspiele zur Energiewende
    Sie sollen dabei helfen, sich dem Thema Energiewende spielerisch zu nähern und gleichzeitig Handlungsoptionen niedrigschwellig zugänglich zu machen. Das erste entwickelte Spiel thematisiert verschiedene CO₂-reduzierende Maßnahmen, die im Alltag umgesetzt werden können. Das zweite bezieht sich auf politisches Engagement und Bürgerinitiativen für den Klimaschutz. Lernspiele eignen sich als Format besonders im Bildungsbereich, also etwa in Schulen, Bibliotheken und Freizeitprogrammen. Die entwickelten Lernspiele werden als „Open Educational Resources“ frei zugänglich veröffentlicht.
  2. Social-Media-Videos gegen Fehlinformationen
    Über den Kanal @energiewende.erklaert auf TikTok und Instagram werden Kurzvideos veröffentlicht, die dazu beitragen sollen, Vorurteile und Fehlinformationen zur Energiewende aufzudecken. Das Ziel: Eine faktenbasierte Diskussion in den sozialen Medien anregen.
  3. Augmented-Reality-Erlebniswelten
    Eine interaktive AR-Landschaft vertieft Inhalte zu erneuerbaren Energien, Infrastruktur, Jobs in der Energiewende und Zukunftsszenarien eines nachhaltigen Energiesystems. Sie werden an verschiedenen Themeninseln visualisiert. Dieses Format zeichnet sich vor allem durch seine interaktiven und immersiven Aspekte aus, die es den Teilnehmenden ermöglichen, tief in das Thema einzutauchen.

Zusätzlich haben die Projektpartner eine spielerische Ausstellung für Kinder und junge Familien sowie eine Informationsbroschüre zum Thema Energiewende erstellt. Seit Projektbeginn fanden ebenfalls im Rahmen von zahlreichen Veranstaltungen sogenannte Steckersolar-Workshops statt. In diesen lernen Teilnehmende, wie sie zu Hause selbst ein Balkonkraftwerk installieren können.

Gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende

Studien zeigen, dass die Bevölkerung die Energiewende gesamtgesellschaftlich grundsätzlich als notwendig erachtet. Kritisch hingegen bleibt jedoch oftmals, wie Menschen zu notwendigen Maßnahmen eingestellt sind – dies hängt unter anderem davon ab, wie Maßnahmen den eigenen Lebensalltag betreffen. Das Wissenschaftsteam im Projekt MEnergie hat davon ausgehend mehrere Fragestellungen für seine Forschungsarbeiten definiert: Wie kann die Akzeptanz der Energiewende erhöht werden? Welchen Informationsbedarf haben unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen? Welche Vermittlungsformate sind geeignet, um das Thema der Bevölkerung näher zu bringen? Welche Orte eignen sich für die Verbreitung?

Co-kreative Kommunikation: Wie zielgerichteter Austausch die Energiewende voranbringt

Um diese Fragen zu beantworten, haben die Forschenden eng mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zusammengearbeitet. Gemeinsam haben sie co-kreative Kommunikationsformate entwickelt, die Wissen und Handlungskompetenzen im Kontext der Energiewende fördern. Co-kreativ beschreibt dabei den zugrundeliegenden Prozess: Mehrere Personen oder Gruppen arbeiten aktiv zusammen, um durch den Austausch von Wissen, Perspektiven und Kreativität neue Ideen und Lösungen hervorzubringen. Im Fokus des Projekts steht gesellschaftliche Akzeptanz. Deshalb haben die Forscherinnen und Forscher den co-kreativen Ansatz zur zielgruppenspezifischen Erarbeitung von Kommunikationsformaten gewählt, um so möglichst nah die Bedürfnisse der Menschen zu adressieren.

Informationsbedürfnisse ermitteln und Kommunikationsformate erproben

Das Forschungsvorgehen besteht aus aufeinander aufbauenden Beteiligungsformaten. Die Forschenden haben zunächst in Workshops die Informationsbedürfnisse und den Wissensstand der Zielgruppen erhoben, um anschließend erste Vermittlungskonzepte zu erarbeiten und diese im weiteren Prozess zu optimieren. In der letzten Phase haben sie konkrete Kommunikationsformate entwickelt und mit Partnerinstitutionen in Veranstaltungen und Workshops mit den Zielgruppen im realen Kontext erprobt.

Als Herausforderung hat sich in den verschiedenen Projektphasen der unterschiedliche Wissensstand der Zielgruppen zu den Themen der Energiewende herausgestellt. Neben positiven oder negativen Einstellungen war es schwierig, die Informationsvermittlung so zu gestalten, dass sich sowohl Personen mit sehr wenig als auch mit sehr viel Vorwissen angesprochen fühlten. Dies haben die Projektpartner vor allem bei öffentlichen Veranstaltungen festgestellt, bei denen sich ein breites Publikum mit den verschiedenen Kommunikationsformen auseinandersetzte. Um diese unterschiedlichen Bedürfnisse adressieren zu können, haben die Forschenden verschiedene Informationsangebote – von niedrigschwelliger bis komplexer – eingesetzt und schließlich die zuvor beschriebenen Formate entwickelt. (av)

Weitere Forschungsprojekte im Kontext von Energiewende und Gesellschaft

Neben dem Projekt MEnergie beschäftigen sich weitere Projekte, die durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert werden, mit gesellschaftlichen Fragestellungen in Bezug zur Energiewende. Hierzu gehören unter anderem folgende Beispiele.

Im Projekt ReWA haben Forschende untersucht, wie sich die Akzeptanz von Menschen verändert, wenn sie selbst, aber auch ihre Heimatstadt an erneuerbaren Energien mitverdienen können. Konkret hat sich das Forschungsteam sechs verschiedene Standorte in Deutschland angeschaut, an denen sich Menschen vor Ort und Kommunen ganz unterschiedlich beispielsweise an Windparks oder Biogasanlagen finanziell beteiligen und dadurch davon profitieren können. Eine Erkenntnis der Forschenden: Mehr Gewinn und eine stärkere finanzielle Beteiligung sorgen nicht automatisch für mehr Akzeptanz. Daher sollten auch andere Wege, wie zum Beispiel regionale Wertschöpfung, berücksichtigt werden. Einen Überblick über die weiteren Erkenntnisse und untersuchten Kommunen aus dem Forschungsprojekt ReWA finden Sie hier: www.unendlich-viel-energie.de/projekte/rewa

Ob die Energiewende gelingt, hängt in großem Maß vom Ausbau der Übertragungsnetze ab. Obwohl er für die überregionale Energieversorgung bedeutsam ist, lässt er für viele Menschen wenig lokalen Nutzen erkennen. Im Projekt Dialogbrücken haben Forschende analysiert, ob Kommunen eher vermitteln, protestieren oder mitgestalten und wie ihre Rolle als Dialogbrücken gestärkt werden könnte. Im Interview erläutert Projektleiterin Dr. Stephanie Bock, was dazu führt, ob Kommunen den Bau von Stromtrassen unterstützen oder bekämpfen.

Was denken Bürgerinnen und Bürger über eine CO₂-orientierte Reform der Energieabgaben, Energiesteuern und Energieumlagen? Wie können die Akzeptanz erhöht und die Abgaben sowie Umlagen sozialverträglich gestaltet werden? Das haben Forschende im Projekt COreFAKTEN untersucht.